15.04.2026 NGZ An dieser Haltestelle fährt nie ein Bus ab

 

Es ist eine Attrappe, die im Garten des Seniorenzentrums „Haus Timon“ steht. Gleichwohl ist sie ganz real: Zum einen, weil sie ein Originalschild der Rheinbahn Düsseldorf ist. Zum anderen, weil sie den Bewohnern Sicherheit und Orientierung gibt.
 
Diese Bushaltestelle steht neuerdings im Garten des Seniorenzentrums Haus Timon in Kleinenbroich. Demenziell erkrankte Bewohner sowie Mitarbeiter des Seniorenhauses und Vertreter der Bürgerstiftung Korschenbroich nahmen sie gemeinsam „in Betrieb“.

 

 

Peter Baumeister, stellvertretender Vorsitzender der Bürgerstiftung Korschenbroich, hat Tastbilder für die demenziell Erkrankten im Haus Timon gefertigt.


VON BÄRBEL BROER

 
Die Rheinbahn Düsseldorf spendierte das Schild, das eine ganz normale Bushaltestelle simuliert.


KLEINENBROICH

 

Es ist einer der ersten richtig warmen Tage in diesem Frühjahr. Eine kleine Gruppe hat sich im hinteren Teil des Gartens vom Seniorenzentrum Haus Timon in Kleinenbroich versammelt. Einige sitzen im Rollstuhl, andere auf der Bank. Sie alle haben mehrere Gemeinsamkeiten: Sie leben im Haus Timon, einem Seniorenzentrum der Diakonie Rhein-Kreis Neuss in Kleinenbroich, sind an Demenz erkrankt und sie warten gemeinsam auf den Bus. Wegfahren werden sie jedoch nie.


Denn seit wenigen Tagen steht im Garten zwar ein Original-Bushaltestellenschild, letztlich ist es aber eine Attrappe. Angeblich fahren dort die Linien 032 nach Mönchengladbach-Buchholz und 034 zum Bahnhof Kleinenbroich ab. Auch einen Fahrplan gibt es. Die erste Tour startet um 8.53 Uhr morgens, die letzte um 19.23 Uhr.


„Für viele Menschen mag das befremdlich wirken“, sagt Patrizia Becker. Sie arbeitet seit fünf Jahren als Betreuungsassistentin im Haus Timon und weiß, wie wichtig eine solche „Scheinbushaltestelle“ für Demenzerkrankte sein kann. „Viele von ihnen haben das Gefühl, einen wichtigen Termin zu haben“, erklärt Becker. Nicht selten würden sie ängstlich, unruhig, teils auch aggressiv reagieren, wenn andere den vermeintlichen Termin anzweifeln oder sie gar am Weggehen hindern wollen.


Nun aber haben die Bewohner ein Ziel: An der Bushaltestelle können sie sitzen und warten. „Das ist keine Täuschung“, sagt Becker entschieden. Ihr dürfte bekannt sein, dass es Kritiker an diesen Schein-Bushaltestellen gibt. Becker ist aber überzeugt: Die vermeintliche Haltestelle werde den Demenzerkrankten „ein Gefühl der Orientierung und Sicherheit vermitteln“.


Und das wiederum hilft auch Pflegeheimen. Denn nicht selten kommt es vor, dass Demenzerkrankte weglaufen, weil sie der Überzeugung sind, wichtige Termine zu verpassen. Deshalb ist das Haus Timon abgeschlossen und auch der Garten ein geschützter Raum – neuerdings zudem mit einer Bushaltestelle. Wie sehr sich die Mitarbeiter des Hauses Timon darüber freuen, konnten Vertreter der Bürgerstiftung für Korschenbroich hautnah miterleben, als die Haltestelle aufgebaut worden ist.

 

Einige hätten vor Begeisterung Tränen in den Augen gehabt, sagt Peter Baumeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung. Er war es auch, der die beiden neuen Tast- und Sinnesbilder, die seit kurzem im Flur des Hauses Timon hängen, gefertigt hat. Das eine Werk, das eine vermeintliche Landschaft mit Sonne, Wolken und Regenbogen zeigt, lädt Demenzerkrankte zum Fühlen ein. Größere und kleinere Bürsten, winzige Wollknäuel, ein kleiner Baum aus Holz, eine Sonne aus Filz, ein Schafsfell und als Hintergrund unterschiedlichste Materialien sorgen dafür, dass die Sinnesorgane angesprochen werden. Und richtig „was zu tun“ bekommen die Bewohner beim anderen Werk des „Hobby-Schreiners“, wie Baumeister sich selbst bezeichnet. Haken, Schalter, Ketten, LED-Lichter, kleine Zahnräder sowie winzige Türen in der Holzwand – teilweise mit Schlössern gesichert – laden dazu ein, zu öffnen, zu drehen, zu montieren.


„Mitarbeiter des Hauses Timon hatten die Bürgerstiftung angesprochen, ob wir das Seniorenzentrum mit diesen Bildern unterstützen könnten“, sagt Thomas Goldmann, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung, beim Treffen mit unserer Redaktion im Haus Timon. Die Idee stieß auf große Zustimmung – auch beim neuen Vorsitzenden des Stiftungsrats, Ulrich Böttges, der vor einiger Zeit die Nachfolge von Fritz Otten angetreten hat.


Als die Tastbilder aufgehängt wurden, sei die Idee der Haltestelle ebenfalls an die Bürgerstiftung Korschenbroich herangetragen worden, sagt Goldmann. „Wir standen dann zunächst mal vor der Frage, woher wir ein solches Haltestellenschild bekommen sollen“, so Baumeister. Bei der Rheinbahn Düsseldorf war seine Anfrage erfolgreich. Oliver Weiß, Leiter des Teams Haltestellen Instandhaltung bei der Rheinbahn, sorgte dafür, dass die Bürgerstiftung für das „Haus Timon“ einen Haltestellenmast sowie ein entsprechendes Schild in Empfang nehmen konnte. Baumeister holte es in Düsseldorf mit einem Anhänger ab, im Garten des Seniorenzentrums wurde es dann durch einen Tiefbauer montiert. Zudem sorgte die Bürgerstiftung Korschenbroich dafür, dass eine Holzbank nun an der Haltestelle aufgebaut wurde. „Es ist eine der Bänke, die von Schülerinnen und Schülern der Hauptschule Kleinenbroich gebaut werden“, erklärt Goldmann.


Damit die Haltestelle auch in regnerischer und kälterer Zeit genutzt werden kann, äußert Baumeister noch einen Wunsch: „Wir hätten für die Bewohner gerne noch ein Häuschen dort.“ Seine Hoffnung: „Vielleicht gibt es ja irgendwo ein ausgedientes Wartehäuschen.“
Das wäre natürlich „alles noch on top“, sagt Frank Springer, Leiter der beiden Seniorenzentren „Haus Tabita“ und „Haus Timon“. Er freut sich bereits über die Tastbilder im Flur und nun auch noch die Haltestelle im Garten: „Es ist zwar eine ‚tote‘ Bushaltestelle, die aber gleichwohl sehr lebendig ist.“

 

 

 

 

 

 

 

28.3.2026 Pflanzung von zwei Bäumen in Pesch 

 Auf der Grünfläche der Pecher Straße nahe der Triet haben die Bürgerstiftler in Abstimmung mit der Stadt Korschenbroich einen Tulpenbaum und eine italienische Erle gepflanzt.

27.03.2026 Bürgerstiftung richtet „Schein-Bushaltestelle“ für Demenz-Kranke ein

Die tote Bushaltestelle im Haus Timon wirkt für die Bewohner wie ein vertrauter Ankerpunkt, an dem sie ihre Erinnerungen an vergangene Tage aufleben lassen können. Die Haltestelle bietet visuelle Anknüpfungspunkte wie das vertraute Busmodell, Wartebank und das typische Bushalteschild. Diese Einrichtung ist mehr als nur Dekoration: Sie regt Gespräche an, weckt alte Routen und schenkt den Menschen ein Stück Vertrautheit in einer oft ungewohnten Umgebung. Diese kleinen Rituale geben den Bewohnern Sicherheit, die oft in ihrer Orientierung verloren gehen.

25.02.2026 Pflanzung zum 100-jährigen Bestehen der St. Hubertus Bruderschaft 

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der St. Hubertus-Bruderschaft Herrenshoff wurden am 25.02.2026 zwei weitere Bürgerbäume am Eingang zum Festplatz gepflanzt. Die Bürgerstiftung Für Korschenbroich bedankt sich bei der Stadt Korschenbroich für die gute Zusammenarbeit.

 

 

06.01.2026 Bürger-Ehrung im Kreise der Schützen
Beim Neujahrsempfang der St.-Katharina und St-Sebastianus-Bruderschaften wurde Karl-Heinz Göris der Matthias-Hoeren-Preis überreicht – auch wenn die Auszeichnung nicht direkt mit dem Brauchtum in Verbindung steht.

Die Feierstunde der beiden Bruderschaften stand unter anderem im Zeichen der Verleihung des Bürgerpreises.
Foto: Markus Rick
Von Rudolf Barnholt

Korschenbroich

Die Feierstunde der St.-Katharina-Junggesellenbruderschaft und der St.-Sebastianer am Sonntagabend in der Aula des Korschenbroicher Gymnasiums war rund 90 Minuten lang, und das aus gutem Grund: Die Veranstaltung wurde genutzt, um Karl-Heinz Göris den Matthias-Hoeren-Preis zu verleihen. Das passte, denn sowohl der Preisträger, als auch die Vertreter der Bürgerstiftung „Für Korschenbroich“, die die Preisverleihung vornahmen, sind Schützen.

Thomas Siegers, Präsident der St.-Sebastianus-Bruderschaft, begrüßte zum traditionellen Neujahrsempfang die aktuellen Majestäten beider Bruderschaften, Florian Kirchberg mit Anna-Lena Schumacher beziehungsweise Rajan Esser mit Luisa Nethövel sowie aktuelle, aber auch neue Amtsträger.

Udo Bartsch kam zum ersten Mal als stellvertretender Landrat, Christiane Schläwe und Frank Weckauf sind die neuen Vertreter von Bürgermeister Marc Venten, der wenig später für seine launige Ansprache kräftigen Applaus bekommen sollte. Aber zunächst sorgte Frederik Hamm, Präsident der St.-Katharina-Junggesellenbruderschaft, mit seinem Festvortrag unter der Überschrift „Zusammenwachsen“ für Nachdenklichkeit. Was ihm nach 50 Jahren Stadt Korschenbroich aufgefallen war: „Wir haben ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt, und trotzdem haben die einzelnen Ortsteile ihre Identität bewahrt.“

Hamm, dessen Tage als Präsident der Junggesellenbruderschaft gezählt sind, weil er mittlerweile verheiratet ist und im vergangenen Jahr Vater geworden war, wandte sich an die Babyboomer, die jetzt in großer Zahl in Rente gehen: „Ihr Ruhestand ist auch eine Chance für die Gesellschaft. Motivieren Sie Ihre Bekannten, um ehrenamtlich aktiv zu werden.“ Das helfe auch, der Einsamkeit vorzubeugen.

Thomas Siegers hatte unter anderem Bezirksbundesmeister Horst Thoren begrüßt. Er geht davon aus, dass Thoren seine Erfahrungen bei der Planung des Bundesschützenfestes im Mönchengladbach im vergangenen Jahr einbringen wird in die Planungen des Bundesschützenfestes in Korschenbroich in drei Jahren.

Bürgermeister Marc Venten erinnerte daran, dass Heinz Schubert am 12. November 2025 100 Jahre alt geworden wäre. Schubert war als Alfred Tetzlaff in „Ein Herz und eine Seele“ berühmt geworden. Was Venten beklagte: „Seit 2023 werden die Folgen mit einem Warnhinweis versehen: Es könnten Passagen geben, die heute als diskriminierend gelten.“ Der Bürgermeister hält solche Warnhinweise für albern, weil der Alltag „voller Gefahren und Niederlagen“ sei. Sein Credo: „Wenn man ständig und überall das Risiko sieht, kommt man nicht weiter.“ Ganz in diesem Sinne wünschte er „ein mutiges Jahr 2026“.

Der ehemalige Vorsitzende der Bürgerstiftung, Fritz Otten und Ulrich Böttges als Vorsitzender des Stiftungsrats, traten in Schützenjacken auf, legte diese aber schnell ab, trugen darunter ein dunkles Sakko. Das war gut so, denn der Bürgerpreis ist ja kein Preis, den die Schützen vergeben. Geehrt wurde Karl-Heinz Göris (74), der elfeinhalb Jahre Vorsitzender der Kinder-Direkthilfe Korschenbroich war. Er ist jetzt in die zweite Reihe zurückgetreten, Marco Heuter ist sein Nachfolger und wird vom Schützenzug Donnerwürmkes unterstützt.

„Ich habe mich schon früh ehrenamtlich engagiert, war in der Katholischen Jugend aktiv“, erklärte Göris. Und er lobte die Vorstände der beiden Bruderschaften: „Sie haben mit aller Kraft hinter der Kinder-Direkthilfe Korschenbroich gestanden. Die Bruderschaften haben uns immer sehr unterstützt.“ Das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro hatte die NEW zur Verfügung gestellt, sie wurde von Matthias Peters vertreten.

Böttges warb für die Bürgerstiftung: „Engagieren Sie sich bei uns, und wenn Sie keine Zeit haben, werden Sie Zustifter.“ Klanglich bereicherten die Orchestergemeinschaft der Musikkapelle Kleinenbroich und des Stadtorchesters Korschenbroich, geleitet von Kathrin Simons, die Feierstimmung.